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Wie einflussreiche Kreise in England zum Ersten Weltkrieg trieben

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich in Englands Oberschicht ein Netzwerk von lockeren Kreisen, Gruppen und Clubs gebildet, die aus dem Anspruch gottgewollter Überlegenheit der englischen „Rasse“ intensiv für eine imperialistische Ausbreitung des Britischen Empire wirkten und einen Krieg mit dem aufstrebenden Deutschen Reich für unausweichlich hielten. Im Mittelpunkt dieses Netzes stand eine von Cecil Rhodes, Alfred Milner und anderen gegründete geheime Gesellschaft, die nach Rhodes Tod im Jahr 1902 von Milner dominiert wurde. Dieser war Zentrum einer „Armee von Milianern“, wie ein Freund formulierte, die allesamt von seiner Führung und Inspiration abhingen. (Siehe hier)

Spiritismus und Prophezeiungen des kommenden Krieges

Viele, wie Cecil Rhodes und Alfred Milner, die einer Freimaurer-Loge angehörten, hatten ernstes Interesse an okkulten, spiritistischen Phänomenen und erhofften sich von dort Rat und Hilfe für ihre politischen Pläne. Zu ihnen zählte auch der zur Rhodes/Milnerschen Geheimgesellschaft gehörende Arthur J. Balfour (1848-1930; Premierminister 1902-1905, Marineminister 1915-1916, Außenminister 1916-1919). Seit dem Tod seiner Verlobten Mary Lyttelton im Jahr 1875 befasste er sich mit dem Spiritismus, „um der Geliebten im Jenseits nachzuforschen.“ (Markus Osterrieder: Welt im Umbruch, Suttgart 2014, S. 873) 1880 trat er der Metaphysical Society bei und wirkte 1893/94 als Präsident der Society für Psychical Research, aus der sich zahlreiche Anhänger Alfred Milners rekrutierten. „Schließlich empfing er am Palmsonntag des Jahres 1912 mit Hilfe des Mediums ´Mrs. Willet´ (…) und ihrer Fähigkeit des automatischen Schreibens das erste Skript von Mitteilungen ´Mary Catherine Lytteltons´; die ´Korrespondenz´ bestand fortan bis zu Balfours Tod 1930. Balfours Nichte und Biographin merkte an: ´Niemand kann Arthur Balfour verstehen, der vergisst, dass das Interesse für spekulative Gedanken Teil des Gefüges seiner alltäglichen Existenz war, wo auch immer er war, was auch immer er tat.´“ (A.a.O.)

1916, als er Außenminister des Kriegskabinetts unter Lloyd George wurde, erhielt Arthur Balfour von Arthur Conan Doyle, Spiritist und Erfinder der Romanfigur Sherlock Holmes, die Nachricht, der 1912 beim Untergang der Titanic ums Leben gekommene W. T. Stead (ein enger Freund Rhodes, Milners und Balfours) lasse ihm ausrichten, dass er mit Cecil Rhodes an seiner Seite „in die Augen Christi geblickt habe“. Und er habe gesagt: „Richte Arthur aus, dass seine Arbeit auf Erden heilig und göttlich ist – dass seine Botschaft die Meine ist.“ (Osterrieder, S. 873-74)…

http://fassadenkratzer.wordpress.com/2014/08/04/wie-einflussreiche-kreise-in-england-zum-ersten-weltkrieg-trieben/

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